Sklaverei im 21. Jahrhundert: Zur Situation in Mauretanien

„Niemand darf in Skla­verei oder Leibeigen­schaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verbo­ten“. So steht es in dem vierten Artikel der Menschenrechte von 1948. Mauretanien hat sich 1961 mit seiner Verfassung zu dieser Erklärung bekannt und 1981 als letztes Land die Sklaverei offiziell abgeschafft.[1] Dennoch gibt es bis heute immer wieder Quellen, die beweisen, dass Sklaverei in Mauretanien immer noch in Teilen existiert.

Von Laura Blanke, Nadja Grossenbacher; Foto: Vix Morá, Flickr

Ein Bericht vom Global Slavery Index stellt heraus, dass im Jahr 2018 etwa 90.000 Menschen, das sind rund 2,14% der Bevölkerung Mauretaniens, in „moderner Sklaverei“ leben.[2] Andererseits spricht die führende Anti-Sklaverei-Organisation SOS-Esclaves sogar davon, dass schätzungsweise 600.000 von den vier Millionen Mauretanier*innen Leibeigene sind.[3]  Das offizielle Verbot der Sklaverei wurde im Jahr 2007 nochmal durch ein neues Gesetz bekräftigt. Seitdem geht die mauretanische Regierung hart gegen alle vor, die sagen, es gebe noch Sklav*innen.[4]

Gesellschaft in Mauretanien

Die Gesellschaft in Mauretanien besteht aus verschiedenen Ethnien. Es gibt beispielsweise die Gruppe der Maur*innen, verschiedene andere Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise die Wolof oder die Soninké sowie die Haratin, welche sozusagen die Nachfahren der Sklaven und Slavinnen sind und in der damaligen traditionellen Hierarchie ganz unten standen.

Was wird dagegen getan?

Es gibt Organisationen, die auf die Sklaverei aufmerksam machen. So zum Beispiel die Initiative zum Wiederaufleben des Abolitionismus in Mauretanien (IRA). Sie setzen sich dafür ein, dass die Anti-Sklaverei-Gesetze angewendet werden.[5] Außerdem führen sie Polizist*innen zu den Häusern der Sklavenhaltenden, damit diese helfen, die Sklav*innen freizulassen. Aber nicht die Sklavenhaltenden werden verurteilt, sondern stattdessen immer wieder Aktivist*innen verhaftet.[6]  Bereits im Jahr 2018 hat der Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung (CERD) der Vereinten Nationen (UN) festgestellt, dass Mauretanien sich nicht an das Internationale Übereinkommen jeder Form von Rassendiskriminierung hält. Die CERD will, dass Menschen, die von Sklaverei betroffen sind, Anzeige erstatten können und die Täter*innen sich vor Gericht verantworten müssen. Außerdem fordert der CERD eine bessere Vertretung der Haratin und dass die beschlossenen Gesetze, die sich für das Beenden der Diskriminierung von Haratin einsetzt, umgesetzt werden.[7]

Probleme bei der Aufklärung

Aber das Problem ist: Viele Versklavte haben Angst, denn sie leben oft in extremer Armut und werden systematisch diskriminiert.[8] Außerdem sind sie meist von klein auf Sklav*innen und haben oft keinen Zugang zu Bildung, hochwertigen Gesundheitssystemen und zu fairer Rechtssprechung. Daher wissen sie teilweise gar nicht, dass die Sklaverei offiziell verboten ist.

Dazu gibt es auch Herren, die nicht einsehen wollen, dass sie gegenüber den Sklaven*innen nicht überlegen sind.[9] Des Weiteren glauben laut Deutschlandfunk[10] viele, dass das Leben als Sklav*innen gottgegeben sei und sie nur durch Unterwerfung unter ihre „Herren“ ins Paradies kommen.

Ein weiteres Problem: Die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen wird immer wieder erschwert. Nicht nur, wie bereits beschrieben, werden Aktivist*innen wahllos festgenommen, sie werden teilweise eingeschüchtert, schikaniert und sind mit administrativen Hindernissen bei ihrer Arbeit konfrontiert.[11] Die Verleumdungen und Angriffe bleiben dabei aber meist straffrei.[12]  Laut Amnesty International haben 20 Menschenrechtsgruppen in den letzten Jahren versucht, friedliche Versammlungen durchzuführen, die von den Behörden allerdings aufgelöst oder direkt verboten wurden. Manche sprechen auch davon, dass direkte Gewalt angewendet wurde.[13] In einigen Fällen haben Organisationen auch einfach keine Arbeitserlaubnis bekommen.[14]

Was muss getan werden?

Es ist wichtig, dass die Menschen, die als Sklav*innen in Mauretanien leben oder diskriminiert werden, nicht vergessen werden. Die Regierung muss weiter unter Druck gesetzt werden, die Gesetze richtig durchzusetzen und sich für die Betroffenen einzusetzen.  Außerdem müssen die Regierung und die Behörden dazu gebracht werden, dass die Aktivist*innen in ihrer Arbeit nicht eingeschränkt werden, damit die versklavten Menschen unterstützt werden können.

Mehr erfahren


[1] World Report 2021: Mauritania | Human Rights Watch (hrw.org)
[2] Country Data | Global Slavery Index
[3] Sklaverei in Mauretanien: Kein Pardon für Kritik – taz.de
[4] Sklaverei in Mauretanien: Kein Pardon für Kritik – taz.de
[5] Sklaverei in Mauretanien: Kein Pardon für Kritik – taz.de
[6] Bildung zählt: Ein Ex-Sklave aus Westafrika berichtet | chrismon (evangelisch.de)
[7] UNPO: UN Reports on Slavery and Human Rights Violations in Mauritania
[8] Donald Trump: Abschiebungen von Flüchtlingen nach Afrika kurz vor Amtsübergabe – DER SPIEGEL
[9] Leibeigene in Mauretanien – Wenn Sklaverei von Gott gegeben ist | deutschlandfunkkultur.de
[10] Leibeigene in Mauretanien – Wenn Sklaverei von Gott gegeben ist | deutschlandfunkkultur.de
[11] UNPO: UN Reports on Slavery and Human Rights Violations in Mauritania
[12] Mauretanien: Proteste gegen Sklaverei werden zunehmend unterdrückt — amnesty.ch
[13] Mauretanien: Proteste gegen Sklaverei werden zunehmend unterdrückt — amnesty.ch
[14] Mauretanien: Proteste gegen Sklaverei werden zunehmend unterdrückt — amnesty.ch

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