Der halbierte Amazonas

Autorin: Telma Monteiro, übersetzt und redigiert von Regina Sonk

Hafenanlagen des brasilianischen Transport- und Logistikunternehmens Hidrovias do Brasil bei Miritituba, am Fluss Tapajós. Foto by Hidrovias do Brasil, CC

Flüsse werden ausgebaggert, Staudämme errichtet und eine 1000 Kilometer lange Eisenbahnstrecke soll neben einer bereits existierenden Bundesstraße den Amazonas durchqueren. Die Brasilianische Regierung will ein Infrastrukturprojekt der Megaklasse. Mit Telma Monteiro, Expertin für Genehmigungsverfahren für solche Megaprojekte, sprachen wir mit Deutschen Unternehmen wie der Deutschen Bank über Investitionsrisiken und Menschenrechtsverletzungen.

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Russland: „Ich will essen.“ – Warum Mansische Kinder das Essen in ihrem Internat verweigern

Autorin: Ein Bericht von Anna Voronkova, übersetzt von Tjan Zaotschnaja, redigiert von Regina Sonk

Bild: https://www.piqsels.com/de/public-domain-photo-onojl

Die Mansi sind zahlenmäßig klein, aber ihre Sprachen von unschätzbarer Vielfältigkeit. Um ihre Dialekte zu schützen, unterstützt Anna Voronkova Kinder in der Region Swerdlowsk ihre Sprachen zu erhalten. Doch bei ihrem letzte Besuch in einem Internat erlebt sie ein viel größeres Problem: Die Kinder vertragen das Essen nicht und es gibt keine Alternativen.

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Indigene Grundrechte missachtet – Deutsche Unternehmen beteiligt

Autor: Christoph Hahn, Praktikant im Referat für indigene Völker

 Der Autor, Poet und Aktivist Pedro Uc Be. Bild: by Otto Everett / Wikipedia CC BY-SA 4.0

In Mexiko soll das Eisenbahnprojekt „Tren Maya“ die Erschließung der Halbinsel Yucatan sichern. Dafür sollen 1.500 Gleiskilometer verbaut werden. Mitten durch den mexikanischen Regenwald, mitten durch indigenes Gebiet. Die Rechte Indigener werden bei der Umsetzung des Prestigeprojektes gänzlich missachtet. Sie sehen sich Landraub, Wassermangel und Todesdrohungen ausgesetzt. Gutachten zur Umweltverträglichkeit wurden ohne indigene Beteiligung ausgestellt. Indigene Gemeinschaften leisten Widerstand und konnten vor Gericht bereits Teilerfolge erzielen. Die mexikanische Regierung um Präsident Andrés Manuel López Obrador lässt das kalt: „Der Tren Maya wird gebaut – ob die Menschen es wollen oder nicht“. In ihrem Bericht hebt das Ya-Basta-Kollektiv nun die Mitwirkung deutscher Unternehmen an Planung und Bau des Vorhabens hervor.

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Myanmar: Covid-19 als Waffe – Unterdrückung der Demokratiebewegung und ethnischer Minderheiten

Autorin: Praktikantin im Referat für Ethnische, religiöse, sprachliche Minderheiten und Nationalitäten

Frau in traditioneller Wa-Kleidung mit Kind: Die Wa gehören zu einer von ca. 135 verschiedenen ethnischen Gruppen in Myanmar
Bild: EU Civil Protection and Humanitarian Aidvia flickr

Als Folge des Militärputsches in Myanmar im Februar 2021 flohen bereits circa 230.000 Angehörige verschiedener ethnischer Minderheiten vor militärischen Angriffen. Hinzu kommt nun eine weitere Bedrohung: Die rasch fortschreitende Ausbreitung des Covid-19-Virus. Myanmar hatte im Juli die höchste Covid-19-Todesrate pro Kopf in der Region.

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Mary Simon löst kanadisches Parlament auf

Indigene könnten Königsmacher*innen werden

Autorin: Yvonne Bangert, Referentin für indigene Völker

Bild: pixabay

Heute, am 20. September 2021, finden in Kanada vorgezogene Neuwahlen statt. Generalgouverneurin Mary Simon, Inuk und Repräsentantin der britischen Krone in Kanada, stimmte der Auflösung des Parlaments und dem Wahltermin zu. Indigene könnten dabei zu Königsmacher*innen werden, denn in einer ganzen Reihe von Wahlbezirken stellen sie bis zu elf Prozent der Wahlberechtigten.

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Live Bericht aus Kabul

Autor: Jan Jessen via facebook

Bild: Jan Jessen via facebook

Jan Jessen ist Reporter der Neuen Ruhr Zeitung. Er ist seit vergangener Woche in Kabul. Vor seiner Reise sprach er mit unserem Nahostreferenten Dr. Kamal Sido über die Situation vor Ort. Die beiden stehen nach wie vor in engem Kontakt und schreiben regelmäßig über die Lage in Afghanistan und die Machtübernahme durch die Taliban. Wir möchten Jan Jessen für seine mutigen Berichte danken. Aus diesem Grund wollten wir sie hier veröffentlichen. Alle Fotos gehören Jessen:

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Truppenabzug aus Afghanistan: Gefahr für Minderheiten

Autorin: Svenja Rommerskirchen, Praktikantin

© Nasim Fekrat via Flickr 

Nach fast zwei Jahrzehnte ziehen die NATO-Truppen aus Afghanistan ab – viel zu übereilt und ohne nachhaltige Strategie, wie die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Land gewährleistet werden kann. Die islamistischen Taliban haben bereits kurz nach dem Abzug wieder erhebliche Teile des Landes unter ihrer Kontrolle, der Konflikt dauert an. Auch der sogenannte Islamische Staat (IS) stellt eine Sicherheitsbedrohung dar. Die beiden Gruppen zielen vor allem auf die ohnehin bereits marginalisierten und diskriminierten Minderheiten im Land ab. Um Frieden herzustellen, muss daher der Schutz ethnischer und religiöser Minderheiten in den Friedensgesprächen und in einem potenziellen Friedensabkommen fest verankert werden.

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Australien: Überrepräsentation von Indigenen in Haft

Autorin: Vanessa Axt, Praktikantin im Referat Indigene Völker

Foto: „Kinder im Wasser“ by Ed Gold / Wikipedia CC BY-SA 4.0

Mehr als die Hälfte aller Minderjährigen in Australiens Jugendstrafanstalten sind indigen. Ab einem Alter von 10 Jahren werden sie schon für Bagatelldelikte angeklagt, verurteilt und in Gefängnissen eingesperrt. Die Jugendkriminalität steht laut Queenslands Familien- und Kinderkommission in einem direkten Zusammenhang mit sozialer und wirtschaftlicher Benachteiligung. Um den Kindern eine Chance auf eine bessere Zukunft zu geben, müssen diskriminierende Gesetze abgeschafft, das Strafmündigkeitsalters auf 14 Jahre angehoben und gemeindebasierte Programme gefördert werden.

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Drastischer Rückgang der Geburtenrate in Xinjiang/Ostturkestan – Ein System gezielter Geburtenkontrolle

Autorin: Pia Brunner, Praktikantin im Referat Genozidprävention und Schutzverantwortung

Bild: Michael Wong via flickr

Immer mehr ausgewertete Quellen und Daten belegen die systematische und diskriminierende Geburtenkontrollpolitik der chinesischen Führung gegenüber turkstämmigen Muslim*innen in Xinjiang/Ostturkestan. Sie umfasst strenge Geburtenquoten, Zwangsabtreibungen, das erzwungene Einsetzen von Intrauterinpessaren sowie Zwangsterilisationen. Zuletzt hat sich auch das Australian Strategic Policy Institute eingehend mit der Familienplanungsstrategie der chinesischen Führung beschäftigt und offenbart erschreckende Ergebnisse einer solchen Politik: „The crackdown has led to an unprecedented and precipitous drop in official birth-rates in Xinjiang since 2017“.

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Premier Trudeau: „Sorry“ ist nicht genug!

Kanada muss Empfehlungen der Wahrheitskommission zu den Folgen der Internatsschulen für die First Nations endlich umsetzen

Autorin: Yvonne Bangert, Referentin für indigene Völker

Die täglich neuen Meldungen über Kindergräber, die auf dem Gelände von immer mehr Internatsschulen für indigene Kinder in Kanada entdeckt werden, wecken Abscheu und Entsetzen. Mit Recht. Die Überlebenden dieser Schulen sind ihr Leben lang traumatisiert und geben ihre Traumata an die nächsten Generationen weiter (das sog. transgenerationale Trauma). Die Gräuel in diesen Schulen waren jedoch schon lange bekannt. Bereits 2015 gab eine Kommission für Wahrheit und Versöhnung nach sechsjähriger Arbeit einen Bericht mit 94 Empfehlungen bekannt, die noch immer nicht umgesetzt sind. Zu ihnen gehört der lückenlose Nachweis sämtlicher Friedhöfe indigener Kinder bei den früheren Internatsschulen. Dafür kämpfen die First Nations. Menschenrechts-NGOs wie Cultural Survival, deren Informationen diesem Blog zugrunde liegen, und die GfbV unterstützen diese Forderung. Die medienwirksame Entschuldigung von Premier Justin Trudeau muss zynisch wirken, solange hier nicht endlich fundierte Maßnahmen folgen.

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