China: Schöne neue Welt

Autor: Ulrich Delius, GfbV-Direktor

Bild: Matthias Ripp via Flickr

Wer Berliner Hinterhöfe kennt, weiß was Vielfalt bedeutet: Von üppigen Gärten bis zu Orten der Begegnung der Nachbarschaft bieten sie ein breites Spektrum.  Gerade wegen ihrer Vielfältigkeit sind sie auch beliebt bei Menschen, die Berlin besuchen. Auch in den Städten in Xinjiang / Ostturkestan im Nordwesten Chinas waren die Hinterhöfe wegen ihres versteckten Charmes beliebt. Doch dies ist nun Vergangenheit, denn Chinas Behörden haben ein neues Programm lanciert zur einheitlichen Gestaltung und Optimierung aller Hinterhöfe.  

Unter dem Motto „Die drei Unterschiedlichen“ wurde von den Behörden ein Programm lanciert, das vorschreibt, dass jeder Hinterhof einen Gemüsegarten, ein Verschlag für Kleintiere und eine mit Steinen gepflasterte Terrasse umfassen soll. So sollen alle Hinterhöfe „hygienisch und wunderschön“ werden, schreibt eine Stadtverwaltung an die geplagte Bevölkerung. Sie ist es leid, ständig Opfer neuer willkürlicher „Erziehungsmaßnahmen“ zu werden, die Angehörige der uigurischen und kasachischen Bevölkerungsgruppe zwangsweise assimilieren und zu guten und folgsamen Staatsbürger*innen machen will.

Ältere fühlen sich an den Terror unter Diktator Mao Zedong erinnert, der ständig neue Kampagnen initiieren ließ, um das Land gewaltsam umzugestalten, die alten Beziehungsmuster brutal aufzubrechen und die Menschen zu verunsichern. Im Terror der Kulturrevolution (1966-1976) fand Alles seine absolute Steigerung und führte zum gewaltsamen Tod hunderttausender Menschen.

Innerhalb von drei Tagen sollen die Hinterhöfe nun „verschönert“ werden, ordneten die Behörden an. Wer nicht spurt, muss zur Strafe zwei Wochen lang die Latrinen säubern oder wird, wenn die Person Pech hat, wegen angeblicher „terroristischer Gefahr“ in eines der berüchtigten Umerziehungslager eingewiesen, berichten Augenzeug*innen. Wie „Terrorismus“ mit der Gestaltung von Hinterhöfen zusammenhängt, bleibt ein Geheimnis chinesischer Staatssicherheit.

Die skandalöse Einmischung in das Privatleben der verfolgten muslimischen Nationalitäten hat System. So begann man bereits im Jahr 2019 mit der Kampagne der „Drei Neuigkeiten“. Sie schreibt vor, dass alle Angehörigen muslimischer Nationalitäten ihre Wohnungen und Häuser „modernisieren“ sollen. Statt es sich im Wohnzimmer traditionell auf Kissen und Teppichen bequem zu machen, sollen Sofas, Betten und Tische gekauft werden. Dies ist nicht nur ein schönes Konjunkturprogramm für Chinas Möbelindustrie, sondern nimmt den muslimischen Nationalitäten wieder ein Stück mehr ihrer Kultur, Lebensgewohnheiten und Identität. So werden Angehörige der uigurischen und kasachischen Bevölkerungsgruppe immer mehr sinisiert und zu braven Gefolgsleuten der Kommunistischen Partei Chinas gewaltsam umerzogen. Chinas schöne neue sozialistische Welt ist letztlich nichts anderes als die gewaltsame Zerstörung einer anderen Kultur. Es ist Völkermord!

Autor: GfbV Online

Hinter GfbV Online versteckt sich das Onlineteam der international tätigen Menschenrechtsorganisation "Gesellschaft für bedrohte Völker e.V".

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