Myanmar: Covid-19 als Waffe – Unterdrückung der Demokratiebewegung und ethnischer Minderheiten

Autorin: Praktikantin im Referat für Ethnische, religiöse, sprachliche Minderheiten und Nationalitäten

Frau in traditioneller Wa-Kleidung mit Kind: Die Wa gehören zu einer von ca. 135 verschiedenen ethnischen Gruppen in Myanmar
Bild: EU Civil Protection and Humanitarian Aidvia flickr

Als Folge des Militärputsches in Myanmar im Februar 2021 flohen bereits circa 230.000 Angehörige verschiedener ethnischer Minderheiten vor militärischen Angriffen. Hinzu kommt nun eine weitere Bedrohung: Die rasch fortschreitende Ausbreitung des Covid-19-Virus. Myanmar hatte im Juli die höchste Covid-19-Todesrate pro Kopf in der Region.

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Die Lage der Rohingya und anderer muslimischer Minderheiten in Burma

Die Behörden Burmas verfügten in diesem Monat im Bundesstaat Arakan, dass Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit in zwei nördlichen Regionen nur noch zwei Kinder haben dürfen. Der Arakan-Staat ist seit Juni 2012 Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen buddhistischen Rakhine und muslimischen Rohingya. Burmesische Sicherheitskräfte ergriffen dabei oft Partei für die buddhistische Mehrheitsbevölkerung und verweigerten der Minderheit den Schutz. Weiterlesen „Die Lage der Rohingya und anderer muslimischer Minderheiten in Burma“

Über die Verfolgung und Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Rohingya in Burma (Myanmar) / English Version below

Die angebliche Demokratisierung und Öffnung des Landes Burma (offiziell: Myanmar) bringt keinerlei Fortschritt für die muslimische Minderheit der Rohingya. Daher muss die anhaltend schlechte Situation der Rohingya thematisiert und die Unterdrückung, Verfolgung und Diskriminierung publik gemacht werden.

Von den weltweit ca. 2-3 Millionen Rohingya leben Schätzungen zufolge noch 725.000 bis 1 Million im Bundesstaat Arakan (offiziell: Rakhain) in Burma. Die Übrigen sind aufgrund der systematischen Unterdrückung durch die burmesische Regierung seit 1962 in andere Länder geflohen: die meisten Flüchtlinge befinden sich in Bangladesh, Thailand, Malaysia, Indonesien, Saudi-Arabien und anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie der unmittelbaren Nachbarschaft.

Den Rohingya wird die burmesische Staatsangehörigkeit mitsamt sämtlichen Bürgerrechten basierend auf dem „Citizenship Act“ von 1982 verwehrt und sie werden nicht als eine der offiziell 135 Bevölkerungsgruppen in Burma anerkannt. Die folgende Liste erläutert die wichtigsten und brutalsten Formen der Unterdrückung und Verfolgung der Rohingya in Burma:

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Chronik der Gewalt im Arakan-Bundesstaat, Burma im Mai/Juni 2012 / English Version below

Chronik der Gewalt im Arakan-Bundesstaat, Burma im Mai/Juni 2012

28.05.2012, Montag: Thidar Htwe, eine buddhistische junge Frau (27 Jahre), wird von drei Männern vergewaltigt und ermordet. Rohingya werden dafür verantwortlich gemacht.
30.05.2012, Mittwoch: Drei verdächtige Männer werden festgenommen.
03.06.2012, Sonntag: 10 Rohingya werden aus einem Bus gezerrt und von Rakhain-Buddhisten zu Tode geprügelt. Aus Rache für die Vergewaltigung und den Mord von und an Thidar Htwe. Die 10 Toten hatten keine Verbindung zu dem Mord, der Ermordeten oder den Mördern.
08.06.2012, Freitag: Erster Verhandlungstag des Mordfalles Thidar Htwe. Gewaltausbrüche nach der Rückkehr von Muslimen vom Freitagsgebet in Maungdaw, dutzende Häuser werden angezündet.
Rohingya-Flüchtlinge berichten, dass sie auf dem Fluss Naf von einem Helikopter angegriffen wurden. Dieser setzte drei von sechs Booten in Brand und tötete so Schätzungen zufolge rund 50 Menschen. Laut Augenzeugen handelte es sich dabei um einen burmesischen Helikopter, was die burmesischen Behörden allerdings bestreiten. Unabhängige Informationen liegen zurzeit nicht vor.
10.06.2012, Sonntag: Die Zentralregierung in Naypyidaw verhängt den Ausnahmezustand und Ausgangssperren von 18 – 6 Uhr sowie ein Versammlungsverbot (mehr als 5 Personen).
11.06.2012, Montag: Medien berichten: Einer der drei Angeklagten im Mordfall Thidar Htwe, Shaun Shou, begeht (angeblich) vor Verhandlungsbeginn am 09.06.2012 Selbstmord
13.06.2012, Mittwoch: Vijay Nambiar, Sonderberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon besucht den Arakan-Bundesstaat.
15.06.2012, Freitag: zwei der drei Angeklagten im Mordfall Thidar Htwe, Hla Win und Lu Lu, bekennen sich schuldig.
18.06.2012, Montag: Die zwei Angeklagten werden vom Provinzgericht Kyaukphyu nach Burmesischem Strafgesetzbuch wegen Vergewaltigung (Abschnitt 376), Mord (Abschnitt 301 (1c)) und Plünderung von Privateigentum (Abschnitt 392) zum Tode verurteilt, allerdings wurde seit 1988 keine zum Tode verurteilte Person in Burma hingerichtet.
19.06.2012, Dienstag: Erneute Gewaltausbrüche, Kämpfe zwischen Muslimen und Buddhisten aus den Dörfern Kutaung und Anautpyin in Yathetaung mit mindestens 12 Toten und 5 Verletzten sowie 20 zerstörten Häusern.
Ein Gericht in der Stadt Ye im Mon-Bundesstaat verurteilt 82 von 84 Rohingya-Flüchtlingen für Republikflucht und Verletzung der Migrations-Gesetze zu einem Jahr Haft. Die Rohingya versuchten nach Malaysia zu fliehen, nachdem sie vorher bei einem ersten Versuch nach Turbulenzen und Problemen mit ihren Booten von burmesischen Fischern gerettet wurden.
20.06.2012, Mittwoch: Die Sicherheitskräfte erklären, die Lage habe sich beruhigt und die Gewalt wäre unter Kontrolle.
21.06.2012, Donnerstag: Festnahme von 60 Muslimen aus dem Dorf Anautpyin aufgrund der Gewaltausbrüche vom 19.06.2012.
23.06.2012, Samstag: Radio Free Asia berichtet detaillierter über den Helikopter-Vorfall vom 08.06.2012 (s.o.).
11.07.2012, Mittwoch: In einem Gespräch mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR), António Guterres, erklärt Burma’s Präsident Thein Sein, dass die ‚illegalen Migranten aus Bangladesh‘ niemals als Minderheit in Burma akzeptiert werden. Sie könnten entweder in ein drittes Land deportiert werden, dass sie bereitwillig aufnimmt, oder sie müssen in Flüchtlingslagern des UNHCR Schutz suchen. Eine andere Möglichkeit gäbe es nicht.

Diese Chronik wird weitergeführt und aktualisiert, sobald neue Informationen vorliegen.

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Zur Gewalt im Bundesstaat Arakan, Burma im Juni 2012 / English Version below

Seit der Vergewaltigung und Ermordung der jungen Buddhistin Thidar Htwe am 28.05.2012 und der Ermordung von zehn muslimischen Rohingya am 03.06.2012 ist wird der Arakan-Bundesstaat im Nordwesten Burmas von anhaltender Gewalt erschüttert. Die in Angst lebenden Menschen trugen tagelang Waffen, wie Speere aus Bambus und Messer.

Die offizielle Opferzahl liegt heute, am 22.06.2012, bei 62. Inoffizielle Berichte sprechen von mindestens 80 Toten. Nach offiziellen Angaben sind mindestens 90.000 Menschen nach der Zerstörung von rund 2.500 Häusern (1.200 von Rakhainen, 1.300 von Rohingya) obdachlos und wohnen zurzeit in 37 Notfalllagern, die von lokalen Anwohnern und Nichtregierungsorganisationen (non-governmental organizations, NGOs) und nicht von der Regierung in Naypyidaw betrieben werden.

Seit dem 10.06.2012 gilt der Ausnahmezustand. Die staatlichen Sicherheitskräfte haben die Kontrolle über den Arakan-Bundesstaat. Des Weiteren wurde eine Ausgangssperre von 18 bis 6 Uhr verhängt sowie Versammlungen von mehr als fünf Personen verboten.

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Neue Rohingya-Boatpeople vor Thailand und Malaysia

Text: Myriam Pechan

Nahezu 100 neue Bootsflüchtlinge der muslimischen Minderheit der Rohingya haben am 8. März 2010 Thailand erreicht, berichtete Kaladan Press am 10. März 2010. Sie wurden von thailändischer Marine aufgegriffen, die sie daran hinderte an Land zu gehen. Weiteren Zeitungsberichten zufolge (wie etwa von CNN oder Phuket Wan) handelte es sich um 93 männliche Flüchtlinge zwischen 16 und 50 Jahren. Die Militärs versorgten die Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln, Treibstoff und anderen Hilfsgütern um sie anschließend aus den thailändischen Hoheitsgewässern zu verjagen. Thailand bleibt zu Vorwürfen stumm. Tage später erreichte das Boot schließlich die rettende Küste Malaysias. In der Nähe der Insel Langkawi wurden die Rohingya von malaysischer Marine gefunden. Sie sollen der UN-Flüchtlingsbehörde übergeben werden, hieß es in The Straits Times, einer Zeitung Singapurs. Weiterlesen „Neue Rohingya-Boatpeople vor Thailand und Malaysia“

Rohingya verhungern in Bangladesh: JETZT HANDELN !

In den überfüllten Flüchtlingslagern in Bangladesh zeichnet sich eine humanitäre Katastrophe ab:
Den burmesischen Rohingya-Flüchtlingen droht der Hungertod!

Die US-amerikanische NGO Physicians for Human Rights ruft zum Handeln auf und startet eine Online-Petition.

Nimm teil und sende Email an die US-Botschaft von Bangladesh !

Rund 18 Prozent der Kinder leiden akut an Unterernährung, warnt Physicians for Human Rights. Erfahre hier mehr im alarmierenden Bericht der Menschenrechtsorganisation vom 9. März 2010.

Rohingya – verfolgt, verhöhnt, verletzt

Unter dem Titel Verfolgt, verhöhnt, verletzt publizierte Spiegel Online am 03. März 2010 einen Bericht über die Minderheit der Rohingya. Der Artikel beschreibt die Unterdrückung der Muslime aus Nordwest-Burma, zum Exodus gezwungen, und ihr unwürdiges Leben in der Diaspora: als angreifbare Flüchtlinge ohne Flüchtlingsstatus in Burmas Nachbarstaaten, denen täglich Gefängnis oder Abschiebung droht.

Spiegel Online widmet den Rohingya außerdem eine eindringliche Fotostrecke.

Die Macht der Bilder und die Frage nach ihrer Verantwortung – eine Kamera bezeugt das Leid der Rohingya

Text: Myriam Pechan

Using the Power of Photography to Promote Global Awareness
Das ist der Leitgedanke von SocialDocumentary.net (SDN), einer Plattform für Fotografen, NGOs, Journalisten, Fotografie-Begeisterte und all jene, die die Überzeugung teilen, dass Bilder einen wichtigen Beitrag leisten: Für die (kritische) Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben, für Aufklärung und Bildung. Sie sind in der Lage, uns zu informieren, zu erinnern, unsere Aufmerksamkeit zu lenken. Fotografie ist somit eine Möglichkeit, einem Thema Ausdruck und Öffentlichkeit zu verleihen. Ihr Grundprinzip des Fokussierens und des Adressierens kann im Sinne von universalen Menschenrechten und ethischen Werten zum Einsatz kommen: Dringendes, Abseitiges oder Verdrängtes in den Mittelpunkt rücken, hinterfragen oder bezeugen, sich an Betrachter wenden und an sie appellieren. Weiterlesen „Die Macht der Bilder und die Frage nach ihrer Verantwortung – eine Kamera bezeugt das Leid der Rohingya“

Eskalation in Bangladeshs Flüchtlingslagern: Zehntausende Flüchtlinge aus Burma leiden unter lebensbedrohlicher Not und Feindseligkeit

Text: Myriam Pechan

Seit Jahrzehnten geht die Militärdiktatur in Burma (Myanmar) brutal gegen die über 100 ethnischen Minderheiten des Landes vor, treibt sie in eine risikoreiche, oft tödlich endende Flucht. Im mehrheitlich buddhistischen Burma leidet besonders die muslimische Gemeinschaft der Rohingya aus Arakan, Westburma unter jahrelanger Repression und Ausgrenzung. Sie sind von der burmesischen Junta weder als Minderheit registriert noch als Bürger Burmas anerkannt. Arakan ist keine Heimat mehr – statt in einem Zuhause leben die Rohingya dort in einem Apartheidsystem: Es braucht eine offizielle Genehmigung (und oft das nötige Bestechungsgeld) das eigene Dorf zu verlassen, zu arbeiten oder zu heiraten. Moscheen dürfen weder repariert noch neu gebaut werden… Weiterlesen „Eskalation in Bangladeshs Flüchtlingslagern: Zehntausende Flüchtlinge aus Burma leiden unter lebensbedrohlicher Not und Feindseligkeit“