COP27: Der Kampf um unsere Welt 

„Der Klimakampf ist ein Kampf für das Leben!“[1] Auf der COP 27 hat sich die Welt erneut für den Kampf gegen die Klimaerwärmung getroffen. Von Sven Meyer, mit Fotos von Katie Mähler

Seit 1995 treffen sich jährlich unter anderem die Vertreter*innen von fast 200 Staaten, Journalist*innen und Klimaschützer*innen zur Weltklimakonferenz.[2] Die diesjährige fand vom 6. November bis zum 20. November 2022 im ägyptischen Sharm el-Sheikh statt.[3] Von Staaten wurde erwartet, dass sie ihre Versprechen im Rahmen des Pariser Abkommens auch in die Realität umsetzen werden. Denn das darin vereinbarte Ziel einer Begrenzung der Klimaerwärmung um 1,5 oder zumindest deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit liegt noch in weiter Ferne.[4] Die Dringlichkeit zu handeln, hob auch Nourene Ahmat Yaya in der Erklärung des „International Indigenous Peoples Forum on Climate Change“ (kurz IIPFCC) hervor. So sei der Klimawandel „eine Angelegenheit von Leben und Tod“. Deutlich betont er gerade auch die Betroffenheit indigener Völker durch den Klimawandel, denn durch die steigenden Temperaturen „drohe ein Völkermord an indigenen Völkern“.[5] Jedoch führte die aktuell angespannte internationale Lage zu gedämpften Hoffnungen, dass die Konferenz ein großer Erfolg werden könnte.[6]   

Erwartungen und Kritik vor der COP

Bereits im Vorfeld der Konferenz wurden die teilnehmenden Staaten kritisiert, dass sie sich nicht an die Klimaziele halten, die sie noch im Jahr zuvor getroffen haben. Außerdem nahmen kaum welche von ihnen Nachschärfungen an den bereits bestehenden Plänen zum Klimaschutz trotz der dringlichen Lage vor. Auch die Verpflichtung der Industriestaaten bis 2020 ein Budget von 100 Milliarden Dollar pro Jahr zur Unterstützung ärmerer Länder beim Klimaschutz bereitzustellen, wurde nicht vollständig erfüllt.[7] Weiterhin müssen indigene Völker und lokale Gemeinschaften in tropischen und subtropischen Wäldern noch auf die finanzielle Unterstützung von 1,7 Milliarden US-Dollar, die ihnen auf der vorherigen COP versprochen wurde und eine Sicherung ihrer Territorien warten.[8] Aus diesen Gründen wurde von mehreren Seiten gefordert, dass indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften ihre Landrechte und die darin enthaltenen Ressourcen zugesichert und sie in Entscheidungsprozessen miteinbezogen werden.[9]

Vertreter*innen der Indigenen aus der ganzen Welt wünschten sich von der COP27, dass ihr traditionelles Wissen für Klimamaßnahmen anerkannt und in den Maßnahmen der Staaten inkludiert wird.[10] Zusätzlich forderten sie unter anderem: Klimareparationen, soziale Gerechtigkeit im Rahmen von Energiewenden und ein damit verbundener Wandel unseres Verständnisses für unser selbst in Verbindung mit der natürlichen Welt um uns herum, eine Stärkung der Menschenrechte und der Rechte Indigener und schlussendlich Souveränität, die „außerhalb und unabhängig von Staaten“ existiert.[11] Zudem wurde der Schutz des Amazonas Regenwaldes gefordert. So sollen bis 2025 80% des Gebietes unter Schutz stehen. Doch vor Beginn der COP27 stand das Amazonasgebiet nicht auf der Prioritätsliste der Verhandlungen.[12]

Die Forderungen Indigener auf der COP27

Schon vor Beginn der Konferenz waren indigene Vertreter*innen aus der ganzen Welt vor Ort, um eine gemeinsame Stimme zu finden. Während der COP27 wurden verschiedene Veranstaltungen, Pressekonferenzen und Treffen vom IIPFCC abgehalten, die zeigen, welchen Beitrag indigene Völker zu einer nachhaltigen Entwicklung der Welt liefern. Zu einigen Veranstaltungen lassen sich hier Aufzeichnungen finden.[13]

Doch bereits gegen Ende der ersten Konferenzwoche wurde deutlich, dass die Rechte und das Wissen Indigener während offiziellen Verhandlungen außer Acht gelassen und bei Diskussionen, zum Beispiel über Artikel 6 des Pariser Übereinkommens, vernachlässigt wurden. Gerade Artikel 6 ist von hoher Relevanz, da dieser Staaten Kooperation bei der Umsetzung ihrer Klimaschutzziele ermöglicht und die Basis für marktbasierten Klimaschutz mit Emissionszertifikaten darstellt.[14] Stattdessen waren Staaten, die die Umwelt in hohem Maße verschmutzen, darauf bedacht, Lösungen zu finden, die ihnen keine Veränderungen ihres Handelns abverlangen. Die indigene Vertreterin der Kanien’kehá:ka aus Kanada Carlee Kawinehta forderte in diesem Rahmen die Regierungen der Welt auf, mit mutiger Führerschaft voranzugehen und zu verstehen, dass Menschenrechte, die Rechte Indigener und sinnvoller Klimaschutz zusammenhängen.[15] Für die Anerkennung dieses Zusammenhanges und der Wichtigkeit traditionellen Wissens zum Schutz der Erde setzten sich auch weitere indigene VertreterInnen ein.[16] So sagte Célia Xakriabá, dass es nicht möglich ist, über den Klimaschutz zu reden, „ohne über Menschenrechte und indigene Völker zu sprechen“.[17] Doch obwohl die Rechte und das Wissen Indigener von der Welt vernachlässigt werden, geben diese ihren Kampf um ihre Heimat nicht auf.[18]      

Beschlüsse und Echo nach der COP27

Nach zwei Wochen Verhandlungen haben sich die Staaten schließlich auf eine Abschlusserklärung einigen können. Doch die Wünsche und Forderungen Indigener, wie die Anerkennung ihres Wissens oder ihrer Souveränität, wurden fast alle nicht erhört. Auch anderweitig werden die Ergebnisse der Klimakonferenz stark kritisiert.[19] Der einzige Durchbruch ist die Entscheidung, einen Fonds für Schäden und Verluste, die durch den Klimawandel verursacht wurden, einzurichten.[20] Jedoch sollen die Details zu diesem Fonds erst im kommenden Jahr von einem Komitee geklärt werden.[21] Trotzdem betont die indigene Vertreterin Skw’akw’as Dunstan-Moore aus Kanada den Erfolg, den der Fonds darstellt, auch wenn zum Schutz des Klimas und der Rechte Indigener noch weitere Handlungen notwendig seien.[22] Weiterhin machten Staaten eigene Zusagen, so versprach zum Beispiel der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz bereits am Anfang der Konferenz 170 Millionen Euro für die Bewältigung von Klimaschäden in Entwicklungsländern.[23]

Stark kritisiert wird auch, dass im Abschlussdokument der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas fehlt. Grund hierfür waren vor allem die OPEC-Länder, aber auch der nur schwache Einsatz für einen solchen Ausstieg durch die EU und die USA.[24] Dem Erreichen des Klimaziels von 1,5-Grad sei man mit der Klimakonferenz nicht nähergekommen, so der grüne EU-Abgeordnete Michael Bloss.[25]

Noch immer scheinen viele wichtige Akteure die Dringlichkeit der Klimakrise nicht erkannt zu haben. Das gilt insbesondere für Länder wie die USA, China und OPEC-Länder, die einen großen Teil zur Klimaerwärmung beitragen, aber auch für die EU, die sich kaum für einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen eingesetzt hat. Und das, obwohl die Folgen des Klimawandels auf der Welt längst spürbar sind. Das Resultat der diesjährigen COP ist enttäuschend und stellt eine Gefahr für unsere Erde und uns alle dar. Zwar wurde nun ein Fonds für Schäden beschlossen, doch es muss sich erst noch zeigen, dass dieser wirklich effektiv ist und denen zugutekommt, die ihn benötigen. Insbesondere auch, da die Beschlüsse der COP für die Teilnehmerstaaten nicht bindend sind. Es ist nun notwendig, dass Staaten, aber auch andere Akteure, außerhalb des Rahmens der Weltklimakonferenz sich für den Schutz des Klimas einsetzen und Druck auf die ausüben, die diesem im Wege stehen. Außerdem muss das Wissen der Indigenen anerkannt und ihre Stimmen erhört werden, da diese 80 % der Biodiversität des Planeten schützen und einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Klimas leisten.[26] Es ist an der Zeit, dass sich die Staaten an ihre Versprechen halten und ihren Worten Taten folgen lassen und verpflichtende und strengere Maßnahmen angenommen werden. Denn Worte allein werden das Klima und unsere Welt nicht retten.  


Quellen:

Final Report – Charapa Consult

ILC LAC present at COP27 (us5-campaign–archive-com.translate.goog)

COP27 in Ägypten: Was von der Weltklimakonferenz zu erwarten ist – DER SPIEGEL

Sharm el-Sheikh Climate Change Conference – November 2022 | UNFCCC

Statement of the IIPFCC at the Joint Opening Plenary at COP27 — INTERNATIONAL INDIGENOUS PEOPLE’S FORUM ON CLIMATE CHANGE

https://twitter.com/EdnaKaptoyo

ICA delegation in Egypt for COP27; announce key policy objectives — Indigenous Climate Action

ICA Policy Objectives for COP27 — Indigenous Climate Action

COP27: Indigenous peoples call for protection of 80% of the Amazon by 2025 – Science & Health – SATURDAY (sabado.pt)

#ICAatCOP27 Weekly Round up, November 7-12, 2022 — Indigenous Climate Action

https://www.instagram.com/p/CkxyQebugNa/

https://twitter.com/JovenIndigena/status/1590492867126235136

https://www.instagram.com/reel/CkvX0S4IafL/?igshid=YmMyMTA2M2Y%3D

Klimakonferenz – Scholz sagt Hilfen in Höhe von 170 Millionen Euro zu – Video – WELT

Ende der Weltklimakonferenz: Entschädigung beschlossen, Fragen bleiben | tagesschau.de

„Ein verlorenes Jahr für den Klimaschutz“: Die Beschlüsse des COP27 und der Verrat am 1,5-Grad-Ziel (tagesspiegel.de)

https://twitter.com/iipfcc/status/1594255283295068160

https://twitter.com/micha_bloss/status/1594203795902369794

Vernichtende Kritik an COP27: „Nicht der Ort, wo die Klimakrise bewältigt wird“ (tagesspiegel.de)

Artikel 6 des Pariser Abkommens – Welche Regeln für CO2 Märkte? – klimareporter.in

Internationale Kooperation unter Artikel 6 – Carbon Mechanisms (carbon-mechanisms.de)


[1] https://www.instagram.com/p/Ck1bUH1A2EW/

[2] COP27 in Ägypten: Was von der Weltklimakonferenz zu erwarten ist – DER SPIEGEL

[3] Sharm el-Sheikh Climate Change Conference – November 2022 | UNFCCC

[4] COP27 in Ägypten: Was von der Weltklimakonferenz zu erwarten ist – DER SPIEGEL

[5] Statement of the IIPFCC at the Joint Opening Plenary at COP27 — INTERNATIONAL INDIGENOUS PEOPLE’S FORUM ON CLIMATE CHANGE

[6] COP27 in Ägypten: Was von der Weltklimakonferenz zu erwarten ist – DER SPIEGEL

[7] COP27 in Ägypten: Was von der Weltklimakonferenz zu erwarten ist – DER SPIEGEL

[8] Final Report – Charapa Consult

[9] ILC LAC presente en la COP27 (campaign-archive.com)

[10] https://twitter.com/EdnaKaptoyo/status/1587744047736782850

[11] ICA Policy Objectives for COP27 — Indigenous Climate Action; ICA delegation in Egypt for COP27; announce key policy objectives — Indigenous Climate Action

[12] COP27: Povos Indígenas pedem proteção de 80% da Amazónia até 2025 – Ciência & Saúde – SÁBADO (sabado.pt)

[13] #ICAatCOP27 Weekly Round up, November 7-12, 2022 — Indigenous Climate Action

[14] Artikel 6 des Pariser Abkommens – Welche Regeln für CO2 Märkte? – klimareporter.in; Internationale Kooperation unter Artikel 6 – Carbon Mechanisms (carbon-mechanisms.de)

[15] #ICAatCOP27 Weekly Round up, November 7-12, 2022 — Indigenous Climate Action

[16] https://www.instagram.com/p/CkxyQebugNa/ ; https://twitter.com/JovenIndigena/status/1590492867126235136

[17] https://www.instagram.com/p/CkxyQebugNa/

[18] https://www.instagram.com/reel/CkvX0S4IafL/?igshid=YmMyMTA2M2Y%3D

[19] Vernichtende Kritik an COP27: „Nicht der Ort, wo die Klimakrise bewältigt wird“ (tagesspiegel.de)

[20] „Ein verlorenes Jahr für den Klimaschutz“: Die Beschlüsse des COP27 und der Verrat am 1,5-Grad-Ziel (tagesspiegel.de)

[21] Ende der Weltklimakonferenz: Entschädigung beschlossen, Fragen bleiben | tagesschau.de

[22] https://twitter.com/iipfcc/status/1594255283295068160

[23] Klimakonferenz – Scholz sagt Hilfen in Höhe von 170 Millionen Euro zu – Video – WELT

[24] Ende der Weltklimakonferenz: Entschädigung beschlossen, Fragen bleiben | tagesschau.de

[25] https://twitter.com/micha_bloss/status/1594203795902369794

[26] https://www.instagram.com/p/Ck1bUH1A2EW/

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