Buchrezension: Zwischen Du und Ich

Autorin: Caroline Siems, Referentin für Digitale Kommunikation

Zwischen Du und Ich ist der neue Roman der Autorin Mirna Funk. Die Hauptfigur Nike ist als Jüdin in Ostberlin aufgewachsen, jede Straße trägt Erinnerung für sie, auch schmerzhafte. Mirna Funk fragt in ihrem neusten Werk nach Identität und Vergangenheit. Und das gelingt ihr wahnsinnig gut.

Ich habe das Buch in nur zwei Tagen ausgelesen und dennoch schweifen meine Gedanken immer wieder zu Nike und zu dem anderen Protagonisten Noam. Ihre Geschichte ist so nachdrücklich erzählt, dass sie auch nach dem Ende noch widerhallt.

Als Nike ein Jobangebot in Tel Aviv bekommt, nimmt sie an. Dort trifft sie Noam, er ist Journalist, seine Geschichte ist tief und komplex. Nike lässt ihn in ihr Leben, als ersten Mann seit Jahren. Doch zwischen ihr und Noam steht Noams Onkel Asher. Der ist vereinnahmend und brutal und setzt alles daran, dass Nike aus Noams Leben verschwindet“ – so lautet der Klappentext.

Die Frage nach Identität ist eine Frage, die uns alle umtreibt. Für Nike ist es vor allem eine Frage nach verdrängter Identität. Ihr Trauma hat sie durch Generationen geerbt. Die Reise von Nike und die Suche nach ihrer Identität führen sie schließlich nach Israel. Dort lernt sie Noam kennen, auch er hat mit seiner Vergangenheit zu kämpfen und wirft einen Traumata-Schatten voraus. Gemeinsam geben sie sich Halt – zumindest für den Moment. Ihre Geschichte entwickelt sich und lässt den*die Leser*in nicht mehr los. Von einer Erzählung über die große Liebe entführt Mirna Funk schließlich in die Welt deutscher Juden*Jüdinnen im Hier und Jetzt und zeigt aktuelle Herausforderungen. Der Roman ist eine intensive Liebesgeschichte einerseits und eine wichtige Auseinandersetzung mit jüdischem Leben in Deutschland andererseits. Bedrückend und beeindruckend bleiben in der Erzählung die Umstände von Geburt, Tod und Einsamkeit.

Wir werden geboren, wir leben, eine Menge furchtbarer Dinge passieren, eine Menge toller Dinge, die sich gut anfühlen, passieren, und am Ende sterben wir. Aber Sinn? Sinn ist da nirgends.“

Zwischen Du und Ich, Seite 237

Die gewählt Sprache ist emotional, mitreißend und wahnsinnig intensiv. Mirna Funk ist ein sehr lesenswerter, eindringlicher Roman gelungen.

PS: Am 23. April findet ein Leseclub-Festival zu dem Roman mit Mirna Funk in unserem schönen Göttingen statt. Tickets bekommt ihr hier.


Zwischen Du und Ich erschien im dtv Verlag und kostet 22 Euro.

Autor: GfbV Online

Hinter GfbV Online versteckt sich das Onlineteam der international tätigen Menschenrechtsorganisation "Gesellschaft für bedrohte Völker e.V".

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