„Kein Arzt, keine Medikamente“ – Tod eines abgeschobenen Roma-Flüchtlings in den Kosovo

Der Fall der nach der Abschiebung ins Kosovo verstorbenen Roma schlägt Wellen – am 7. Dezember 2010 wurde die 47-jährige Romni Frau T. aus dem Landkreis Mayen-Koblenz (Rheinland-Pfalz) über den Flughafen Düsseldorf zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem 14-jährigen Sohn abgeschoben. Der psychisch schwerkranken Frau wurde nach der Ankunft keine Hilfe zuteil. Eine fachärztliche Untersuchung unmittelbar vor der Abschiebung hat es offenbar nicht gegeben. Am 7. Januar 2010 erhielt der deutsche Anwalt der Familie die Nachricht, dass Frau T. an den Folgen einer Gehirnblutung verstorben ist. Wer mehr wissen will: der österreichische Roma-Blog hat darüber berichtet und eine News-Sammlung rausgegeben: hier und hier.

Ungarn: Regierung löst Romastiftungen auf

Ungarn hat die EU-Ratspräsidentschaft übernommen und stand gleich aufgrund seines neuen Mediengesetzes in der Kritik. In der öffentlichen Diskussion kommt aber zu kurz folgende Meldung, die ich im D-Roma-Blog fand:

„Ungarn hat soeben die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernommen; die Schaffung einer einheitlichen europäischen Strategie für die Roma nennt die Regierung hierbei als eines ihrer vorrangigen Ziele. Nun sorgt ausgerechnet ein die Roma des Landes betreffendes Regierungsdekret für Aufsehen. Die Verordnung des Vizepremiers Zsolt Semjén sieht nämlich vor, dass 35 „von der Vorgängerregierung etablierte Stiftungen aufzulösen“ und von von „Non-Profit-Organisationen und öffentlichen Einrichtungen, die durch den Staatshaushalt finanziert werden“, (also von staatlichen Behörden) zu ersetzen seien.“ Hier geht es zur ganzen Meldung. Jaja, Orban, der Roma-Freund….

Offener Brief Günter Grass gegen Abschiebung von Roma

Zur Zeit laufen massive Abschiebungen von Roma in den Kosovo. Diese von der GfbV als „Deportation“ bezeichnete Abschiebe-Praxis rief dieser Tage den Nobelpreisträger Günter Grass auf den Plan, der sich in einem offenen Brief an Bundesinnenminister und die Innenminister der Bundesländer wendet. Ein guter Grund, diesen offenen Brief im Wortlaut an dieser Stelle abzudrucken:

„Bestürzt, empört, entsetzt, ist der Vorstand der Stiftung zugunsten des Romavolks, die Günter und Ute Grass 1997 gegründet haben. Da schaut ganz Europa auf Frankreich und empört sich über den Umgang mit den Vertriebenen und Armutsflüchtlingen der Roma aus Rumänien, und zur gleichen Zeit ist eine Abschiebeaktion großen Ausmaßes von Deutschland in den Kosovo im Gange, die die französischen Maßnahmen noch in den Schatten stellt.“ Weiterlesen »

Frankreich: Zwangsräumungen von Roma-Lagern erinnern an Razzien im Zweiten Weltkrieg

„Sie haben die Türen eingeschlagen und geschrien. Sie befahlen uns herauszukommen, ohne uns Zeit zu lassen, zu essen oder uns zu waschen.“ Mit diesen Worten beschreibt eine Bewohnerin eines von Roma besetzten Hauses in Montreuil bei Paris die Zwangsräumung durch französische Beamte Mitte August 2010. Diese Polizeiaktion, die Roma zum Ausreisen bewegen soll, ist eine von vielen. Ende Juli 2010 kündigte die Regierung an, die Hälfte der etwa 600 illegalen Roma-Lager im Land innerhalb von drei Monaten räumen zu wollen. Weiterlesen »

Roma-NGOs rufen zu Frankreich-Boykott auf

Vor dem Hintergrund der internationalen Protestwelle gegen die Roma-Ausweisungen und den Pariser Einwanderungs-Gipfel am 6. September hat die rumänische Roma-Bürgerallianz zum europaweiten Boykott französischer Waren aufgerufen. Es sei wichtig, den „infamen Gipfel“ zurückzuweisen, der auf die „Stigmatisierung des gesamten Roma-Volkes“ abziele. Die Allianz, eine Dachorganisation von 21 Roma-NGOs in Rumänien, appelliert an „alle Roma-Brüder und -Schwestern, Freunde aus allen ethnischen Gruppen und alle, die sich dem Prinzipien der Gleichheit verpflichtet sind“, sich den Protesten anzuschließen. Durch den Boykott hoffe man, der französischen Regierung klar zu machen, dass „Grundrechte nicht verhandelbar” seien. „Wir wissen natürlich, dass die Kaufkraft von Roma üblicherweise begrenzt ist, aber wir glauben trotztdem, dass diese Aktion nützlich sein wird“, erklärte der Vorsitzende der Bürgerallianz David Mark.

Ich bin dabei! Und Ihr?