Der Völkermord in Srebrenica gilt als der schlimmste Massenmord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Auf dem Westbalkan herrscht auch 30 Jahre nach den Gräueltaten eine Atmosphäre der Leugnung des Genozids an den Bosniak*innen (bosnischen Muslim*innen). Mehr als 8732 Menschen sind in den wenigen Tagen im Juli 1995 ermordet worden. Die Anzahl der Ermordeten im Bosnienkrieg 1992-1995 beläuft sich auf mehr als 100.000 Menschen.
Text und Fotos: Stefanie Grolig, Referentin für Digitale Kommunikation
Redaktion: Jasna Causevic, Referentin für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung und Myriam Givens, Digitale Kommunikation
Mit einer Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag und einer Mahnwache am Brandenburger Tor haben wir der Opfer – der unschuldigen Männer, Frauen und Kinder gedacht und weitere Diskussionen über Erinnerung, Aufarbeitung, Rechenschaftspflicht sowie notwendige Ansätze für die Prävention künftiger Verbrechen angeregt.
Es lag uns sehr daran, die internationale Gemeinschaft und insbesondere die westlichen Demokratien eindringlich dazu aufzurufen, sich ihrer Verantwortung für die Schaffung eines stabilen Bosnien und Herzegowinas zu stellen, um dort ein erneutes Aufflammen des Konflikts zu verhindern.
10. Juli: Gedenkveranstaltung im Bundestag
Mit dem Parlamentarischen Staatssekretär und Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU) und wie dem Bundestagsabgeordneten Adis Ahmetović (SPD) haben wir am 10. Juli zu einer Gedenkveranstaltung im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages, Vertreter*innen der nationalen und internationalen Politik eingeladen.

Über die Haltung der Bundesregierung zum Genozid in Srebrenica und die bis heute andauernden Folgen sprach die Staatsministerin und Bundestagsabgeordnete Serap Güler (CDU), Alexander Rhotert sprach als Westbalkan-Experte über die Ereignisse von Srebrenica: die Vorgeschichte, das Versagen der Vereinten Nationen und die daraus resultierenden Konsequenzen.

Im Fokus der Veranstaltung stand mit seiner Rede der Zeitzeuge Nedžad Avdić
1995 war Nedžad Avdić 17 Jahre alt. Nur knapp entkam er dem serbischen Erschießungskommando. Er war Zeuge beim Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Nedzad lebt heute mit seiner Familie in Srebrenica.
Jasna Causevic, unsere Referentin für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung hat die Veranstaltung mitorganisiert. Die deutsche und bosnisch-herzegowinische Sektion der GfbV haben ihren wertvollen Beitrag dazu geleistet, dass Srebrenica letzte Woche ganz oben auf der Agenda der deutschen Bundesregierung stand, sowohl um sich an das Geschehene zu erinnern als auch als Warnung an alle, egal wie sicher sie sich wähnen, dass so etwas überall auf der Welt passieren kann.

11. Juli: Menschenrechtsaktion vor dem Brandenburger Tor
Gemeinsam mit dem Srebrenica Awareness Network e.V. haben wir am 11. Juli zur Menschenrechtsaktion vor dem Brandenburger Tor eingeladen. Insgesamt haben mehr als 500 Menschen an der Aktion teilgenommen. Auf einem 100-Meter-Banner standen die Namen sämtlich bisher bekannter 8372 Opfer von Srebrenica. Mit dieser Menschenrechtsaktion gedenken wir der Opfer – der unschuldigen Männer, Frauen und Kinder.
Unsere Referentin Jasna Causevic, Meho Travljanin (Srebrenica Awareness Network), Selma Jahic (Überlebende), Jasmina Hostert (Bundestagsabgeordnete und Überlebende, SPD) und Hedija Krdžić (Überlebende) hielten Redebeiträge.


Es wurden 30 Namen der Ermordeten vorgelesen – symbolisch für den 30. Jahrestag des Völkermords von Srebrenica. Nach Redebeiträgen wurde das bosnische Lied „ŠTO TE NEMA?“ – „Warum bist Du nicht da?“ von Jadranka Stojaković gesungen.

Unsere Menschenrechtsorganisation kann auf eine lange Geschichte des Engagements für die Opfer des Völkermordes zurückblicken. Wie unsere ehemalige Koordinatorin für Srebrenica und Präsidentin der Mütter von Srebrenica, Hatidža Mehmedović, sowie unser ehemaliger Generalsekretär Tilman Zülch, haben wir uns unermüdlich für Wahrheit und Gerechtigkeit eingesetzt und versucht, die Rolle Deutschlands bei der Aufrechterhaltung des Systems der internationalen Gerichtsbarkeit und Friedenssicherung zu stärken. Wir organisierten zahlreiche Mahnwachen mit Angehörigen von Srebrenica-Opfern sowie Exilbosnier*innen vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag während der Gerichtsprozesse und Urteilsverkündungen und informierten darüber internationale Medien.
