Frankreich: Zwangsräumungen von Roma-Lagern erinnern an Razzien im Zweiten Weltkrieg

„Sie haben die Türen eingeschlagen und geschrien. Sie befahlen uns herauszukommen, ohne uns Zeit zu lassen, zu essen oder uns zu waschen.“ Mit diesen Worten beschreibt eine Bewohnerin eines von Roma besetzten Hauses in Montreuil bei Paris die Zwangsräumung durch französische Beamte Mitte August 2010. Diese Polizeiaktion, die Roma zum Ausreisen bewegen soll, ist eine von vielen. Ende Juli 2010 kündigte die Regierung an, die Hälfte der etwa 600 illegalen Roma-Lager im Land innerhalb von drei Monaten räumen zu wollen. Weiterlesen „Frankreich: Zwangsräumungen von Roma-Lagern erinnern an Razzien im Zweiten Weltkrieg“

Deutsche Roma-Lager? Fehlanzeige

Es passiert sehr selten, dass in Massenmedien wie Spiegel Online ausführlich über Roma berichtet wird. Wenn ich an letztes Jahr zurückdenke, als hier in Berlin Roma aus dem Görlitzer Park aufgegriffen wurden und wie in der Springer-Presse der Hauptstadt irreführend, teilweise sehr hetzend über sie berichtet wurde, graust es mir bei der Vorstellung, wie es zur Zeit in Frankreich um Sarkozy geht, der bekannt ist, mit RaabKärcher-Staubsaugern ganze Ghettos „säubern“ zu wollen. Immerhin hat Spiegel Online heute einen Artikel gebracht, der sich halbwegs vernünftig mit der sozialen wie politischen Problematik der Roma beschäftigt, auch wenn das erste Foto natürlich sehr romantisch ist und eher der „Zigeuner-Folklore“ zugeordnet werden kann als der tatsächlichen sozialen Lage vieler osteuropäischer Roma….wer eine ausführliche und wirklich gute Berichterstattung haben will, die aus der Sicht der Betroffenen kommt, sei auf den österreichischen Roma-Blog verwiesen – eine vorbildliche Informationsquelle!

Roma-NGOs rufen zu Frankreich-Boykott auf

Vor dem Hintergrund der internationalen Protestwelle gegen die Roma-Ausweisungen und den Pariser Einwanderungs-Gipfel am 6. September hat die rumänische Roma-Bürgerallianz zum europaweiten Boykott französischer Waren aufgerufen. Es sei wichtig, den „infamen Gipfel“ zurückzuweisen, der auf die „Stigmatisierung des gesamten Roma-Volkes“ abziele. Die Allianz, eine Dachorganisation von 21 Roma-NGOs in Rumänien, appelliert an „alle Roma-Brüder und -Schwestern, Freunde aus allen ethnischen Gruppen und alle, die sich dem Prinzipien der Gleichheit verpflichtet sind“, sich den Protesten anzuschließen. Durch den Boykott hoffe man, der französischen Regierung klar zu machen, dass „Grundrechte nicht verhandelbar” seien. „Wir wissen natürlich, dass die Kaufkraft von Roma üblicherweise begrenzt ist, aber wir glauben trotztdem, dass diese Aktion nützlich sein wird“, erklärte der Vorsitzende der Bürgerallianz David Mark.

Ich bin dabei! Und Ihr?

Viktor Orbán, Ungarn: Erklärter Roma-Feind

Am Montag protestierten die Kollegen mit einer Mahnwache vor der französischen Botschaft gegen die skandalöse Abschiebepraxis der Regierung Frankreichs, der Roma aus Rumänien und Bulgarien ausgesetzt sind. „Stopp Sarkozy! Roma in Frankreich legalisieren – nicht deportieren!“ heißt es auf unseren Transparenten. Immer wieder berichteten wir auf diesem Blog über das, was den Roma in osteuropäischen Ländern wie Ungarn oder Tschechien passiert – nun hat SpiegelOnline einen interessanten Artikel über die weitverbreitete Roma-Hetze in Ungarn geschrieben, auf den ich an dieser Stelle gerne verweise:

„In Ungarn ist die Ausgrenzung von Minderheiten Mainstream: Auch Premier Viktor Orbán lässt keine Chance aus, sich abfällig über die Roma im Land zu äußern – so hat er geholfen, die rassistische Jobbik-Partei hoffähig zu machen.“ Lies mehr hier….