Diskriminierung per Gesetz – die Geschichte des kanadischen Indian Act (1/2)

Spätestens seit dem Sommer 2021 sind die finsteren Kapitel der kanadischen Kolonialgeschichte selbst einer breiteren deutschen Öffentlichkeit bekannt. Die Funde etlicher Kindergräber auf dem Gelände ehemaliger Residential Schools – Zwangsinternate für indigene Kinder – belegen die Misshandlungen, von denen Überlebende schon seit Jahren berichten. Die systematische Entfremdung der Kinder von ihren Familien und ihrer Identität diente dem kanadischen Staat als Werkzeug bei dem Projekt, die Kultur der First Nations auszulöschen. Das Gesetz, mit dessen Hilfe dieses Ziel erreicht werden sollte, existiert auch heute noch und prägt die Beziehungen zwischen First Nations und Staat maßgeblich: der Indian Act.

Von Theresa Luedtke und Maren Thiel, Recherche Dana Dramsch; Foto: Andrej Iwanow/ AFP

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Wenn Träume wahr werden: Justin Trudeau und seine First Nations Politik

Foto: Premier ministre du Canada via Flickr

Seit zwei Monaten ist der kanadische Premierminister Justin Trudeau im Amt. Zwei Monate, in denen die indigenen Gemeinschaften in Kanada wieder anfangen konnten, zu hoffen. Es scheint, als hätte eine neue Ära der Möglichkeiten begonnen. Ein Kommentar der GfbV-Referentin für indigene Völker.

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First Nations & Idle No More in Kanada

As long as the grass grows, the sun shines and the river flows…“ die angestammten Rechte der “First Nation” in Kanada werden aufgelöst ! Die First Nations beziehen Stellung:

Die First Nations in Kanada leben unter dem „Indian Act“ von 1876 nach wie vor ein Leben zweiter, wenn nicht dritter Klasse. Das „Department of Indian Affairs and Northern Development“ bestimmt, wer Indianer ist und wer nicht, legt ihre Rechte und Verhaltensweisen fest und beschneidet ihre Menschen- und Völkerrechte. Paragraph § 35 des „Constitution Act von 1982“ , vom Obersten Gerichtshof bestätigt, wird schon lange nicht mehr umgesetzt.Demnach haben die First Nations nach wie vor angestammte Landrechte und sind gleichberechtigte Verhandlungspartner in allen, sie betreffenden Gesetzesänderungen und Landrechtsfragen.

Die Ratifizierung des Gesetzes Bill C- 45 „Job and Growth Act 2012“ am 5. Dezember 2012 und die sich in Arbeit befindenden weiteren Gesetzesänderungen zum Fischereiabkommen, zu Wasserrechten und zu Änderungen des „Indian Act“ , haben die Indianer jetzt zum gemeinsamen Handeln mobilisiert.

Das Gesetz C-45 soll das Land für ausländische Investoren ( insbesondere aus Asien, Europa und China ) öffnen und senkt bestehende Umweltstandards auf ein Minimum : so wird der „Environmental Assessment Act“ ersetzt, der „Water Protection Act“ nivelliert und damit die staatliche Aufsicht über die umweltverträgliche Nutzung auf 3 Meere, 97 registrierte Seen und 62 Flüsse begrenzt. Alle anderen Gewässer in Kanada (ca. 3 Mio.) werden durch Bill C-45 in die Hand von Unternehmen, wie z.B Enbridge`s „Northern Gateway Pipeline“ gegeben, die ihre Nutzungsweise und Umweltstandards selber festlegen dürfen.

Im Zuge des Gesetzes werden Landrechte neu vergeben, der Abbau von Rohstoffen erleichtert und der Artenschutz gelockert. Auch darf das Verkehrsministerium per Gesetz Projekte durchsetzen, die die Interessen der First Nations ignorieren.

Nicht umsonst nennen indianische Aktivisten die neuen Gesetze der Regierung „Harpers First Nation Termination Plan“, denn das Kernstück der derzeitigen „Indianerpolitik“ ist die Eliminierung des Status, den die First Nations als Ureinwohner Kanadas innehaben.Weiterlesen »