USA: Das Land, der unbegrenzten Möglichkeiten – auch im Uranabbau?

Foto: pixabay.com

Rick Perry ist seit Anfang März 2017 Donald Trumps Mann im Energieministerium. Perry, ein Skeptiker des Klimawandels, der in den vergangenen Tagen durch einen Scherzanruf von russischen Komikern viel Aufmerksamkeit (und Spott) auf sich gezogen hat, möchte genauso wie sein Chef Amerika wieder “großartig” machen. Dafür setzt der Republikaner auf die eigenen Energieressourcen des Landes: Öl, Gas, Kohle, Uran. Sein Ziel als Energieministers ist es, dass nukleare Energie wieder „cool” werden solle, denn sie sei unverzichtbar für ein „sauberes Energieportfolio” der USA.

Zwei Tage nachdem Perry nukleare Energie als „cool“ bezeichnete, sprach Trump auf dem vom Energieministerium veranstalteten Event “Unleashing American Energy”. Seine Rede verdeutlichte erneut, was wir eigentlich schon wussten: Goodbye Klima und Umweltschutz, jetzt wird gebohrt, gefracked und verbrannt. Das Versprechen: Unmengen von Jobs und Wohlstand. Um die “Dominanz US-amerikanischer Energie” zu erreichen, rief Donald Trump Initiativen ins Leben. „Zuerst werden wir damit beginnen, unseren Atomenergiesektor, der saubere, erneuerbare und emissionsfreie Energie produziert, wiederzubeleben und zu vergrößern. Eine komplette Überprüfung der Atompolitik der USA wird uns neue Wege finden lassen, diese entscheidende Energieressource wiederzubeleben.” (Die komplette Rede in Englisch gibt er hier.)

Die Leidtragenden der neuen Atompolitik werden mit Sicherheit die Native Americans sein. Weltweit liegen geschätzte 70 Prozent der Uranvorkommen auf dem Land indigener Völker. Auch in den USA befinden sich die heimischen Uranvorkommen oft in indigenen Gebieten, vor allem in den südwestlichen Staaten der USA wie Arizona. Dort lebt heute südlich des Colorado River an einem Seitenarm des Grand Canyon die Havasupai Nation, mit rund 750 Menschen eine der kleinsten Nations Nordamerikas, deren Zukunft unter Trump gefährdet ist.

2012 verhängte Barack Obama ein Moratorium, das das Gebiet um den Grand Canyon für 20 Jahre unter Schutz stellen und die Öffnung neuer Uranbergwerke verbieten ließ. Für Minen wie die Canyon Mine, die bereits eine Genehmigung hatten, gilt dies jedoch nicht. Der Betreiber der Canyon Mine – der größten Uranmine der Umgebung – hat angekündigt, den Betrieb noch in diesem Jahr wieder aufzunehmen. Keine zehn Kilometer von der Uranmine entfernt liegt Red Butte Mountain, die heilige Stätte der Havasupai. Mit einem erneuten Uranabbau oder sogar einem Ausbau der Minen sehen die Havasupai ihre Kultur und ihre Lebensweise gefährdet. Die entstehende Radioaktivität gefährdet ihr Land. Gemeinsam mit Umweltorganisationen und anderen indigenen Gemeinschaften haben sie deshalb Klage vor Gericht gegen den Uranabbau eingereicht. Sie alle befürchten durch den Uranabbau eine radioaktive Kontaminierung des Süßwasserspeichers im Canyon. Das hätte nicht nur katastrophale Folgen für die Havasupai, sondern auch für rund 40 Millionen Menschen, die ihr Trinkwasser aus dem Colorado River beziehen.

Jedoch hören die Gefahren bei der Verseuchung des Trinkwassers nicht auf. Tornados, Überflutungen, Hurricanes oder Straßenschäden sind Faktoren, die auch den Transport des Gesteins zur Weiterverarbeitung in der White Mesa Mill, etwa 400 Kilometer entfernt, zu einem riskanten Unterfangen machen.

Die Gegner des Urans glauben, dass Entscheidungen zugunsten der großen Firmen gefällt werden, deren wirtschaftliche Interessen die Bedenken bezüglich Mensch und Umwelt dominieren. Und ihre Befürchtungen könnten mit der neuen Trump-Administration zum Albtraum werden. Obamas Moratorium sei aus “übertriebener Vorsicht” entstanden und stehe einem massiven wirtschaftlichen Profit im Weg, so Gary Watson, Supervisor des Mohave County im Nordwesten Arizonas. Er und andere Offizielle der Staaten Arizona und Utah bezeichnen das Moratorium als gesetzeswidrig. Es behindere Jobs und einen wirtschaftlichen Aufschwung der Region. Mohave County hat deswegen Anfang Juni einen Appell an Innenminister Ryan Zinke gerichtet, in dem es bat, das Moratorium aufzuheben. Bei dem jetzigen Kurs der Trump Administration scheinen die Chancen gut zu stehen, dass die Anliegen auf Zuspruch treffen.

Wird Atomenergie wieder “cool” und von der Regierung gefördert, könnten in Zukunft noch mehr neue Uranminen ihren Betrieb aufnehmen. Haushaltsentwürfe der Regierung für 2018 machen deutlich, dass Umweltschutz nicht gerade höchste Priorität für Trump hat: Mittel für die US-Umweltbehörde (EPA) sollen um fast ein Drittel gekürzt werden. Dies würde das niedrigste Budget der Behörde innerhalb der letzten 40 Jahre bedeuten. Die darauffolgenden Stellenstreichungen und Kürzungen bei der EPA würden es der Behörde in Zukunft schwieriger machen, umweltschützende Maßnahmen durchzuführen. Zu hoffen bleibt da nur, dass der Haushaltsentwurf in seiner jetzigen Version nicht verabschiedet wird.


Wir berichten regelmäßig auf unserem Blog über die verschiedenen Konflikte zwischen dem neuen US-Präsidenten Trump und den Native Americans. Alle Beiträge im Überblick finden Sie hier: Indigener Widerstand gegen Trump


veröffentlicht: 28.07.2017

Autorin: Lara-Lena Gödde

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