Indigene Grundrechte missachtet – Deutsche Unternehmen beteiligt

Autor: Christoph Hahn, Praktikant im Referat für indigene Völker

 Der Autor, Poet und Aktivist Pedro Uc Be. Bild: by Otto Everett / Wikipedia CC BY-SA 4.0

In Mexiko soll das Eisenbahnprojekt „Tren Maya“ die Erschließung der Halbinsel Yucatan sichern. Dafür sollen 1.500 Gleiskilometer verbaut werden. Mitten durch den mexikanischen Regenwald, mitten durch indigenes Gebiet. Die Rechte Indigener werden bei der Umsetzung des Prestigeprojektes gänzlich missachtet. Sie sehen sich Landraub, Wassermangel und Todesdrohungen ausgesetzt. Gutachten zur Umweltverträglichkeit wurden ohne indigene Beteiligung ausgestellt. Indigene Gemeinschaften leisten Widerstand und konnten vor Gericht bereits Teilerfolge erzielen. Die mexikanische Regierung um Präsident Andrés Manuel López Obrador lässt das kalt: „Der Tren Maya wird gebaut – ob die Menschen es wollen oder nicht“. In ihrem Bericht hebt das Ya-Basta-Kollektiv nun die Mitwirkung deutscher Unternehmen an Planung und Bau des Vorhabens hervor.

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Kolumbien: Der Streik geht weiter

Friedliche Proteste werden mit Kriminalisierung beantwortet – Paralleljustiz führt zu Übergriffen auf Indigene

Autorin: Vanessa Axt, Praktikantin

Text: „Wenn sie uns weiter töten, werden wir weiter marschieren.“
Foto: Oxi.ap / Flickr cc BY 2.0


Trotz und wegen massiver Repressionen durch staatliche und parastaatliche Akteur*innen hält der Nationalstreik in Kolumbien seit mehr als einem Monat an. Indigene Protestgruppen sind besonders von der Kriminalisierung der sozialen Proteste betroffen. Vom 8.bis 12. Juni besuchte die Interamerikanische Menschenrechtskommission das Land, um die Menschenrechtslage zu untersuchen. Parallel spitzt sich die Situation jedoch weiter zu. Es gibt Berichte von Morden, Verschleppungen und anderen Einschüchterungsversuchen durch Sicherheitskräfte und bewaffnete Zivilpersonen.

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Schutz, aber vor wem?

COVID-Isolationszentren gegen Indigene im Norden Argentiniens

Autorin: Regina Sonk, Referentin für indigene Völker

Bild: Federico Valido 

In der Provinz Formosa an der Grenze zu Paraguay leben über 20.000 Indigene Wichí. Konflikte um Land, Zugang zu öffentlichen Gütern und täglich erfahrener Rassismus haben eine lange Tradition. Im Kontext der COVID-Pandemie spitzt sich die Behördenwillkür zu: In Isolationszentren werden Indigene gegen ihren Willen festgehalten und Proteste werden mit Polizeigewalt beantwortet. In ihrem Bericht „Nos pronunciamos y proponemos“ (dt. etwa: Wir erklären uns und reden mit), der die GfbV diese Woche erreichte, dokumentieren sie mindestens neun Fälle von Menschenrechtsverletzungen im Kontext der COVID-Pandemie.

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Wie erleben Indigene Covid-19?

Übersetzung und Bearbeitung: Yvonne Bangert

Indigene sind durch die Pandemie besonders großen Risiken ausgesetzt, sie sind mehr als andere Bevölkerungsgruppen gefährdet. Warum ist das so? Oft leben sie in abgelegenen Gegenden, die von außen kaum erreichbar sind. Die Versorgung mit gesunder Nahrung, sauberem Wasser oder Dienstleistungen einer Gesundheitsversorgung sind oft schlecht oder gar nicht erreichbar. In vielen Gebieten ist die Zahl der Indigenen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen, die ein besonders großes Risiko für schwere Krankheitsverläufe nach einer Infizierung darstellen, sehr hoch. Gleichzeitig ist der soziale Zusammenhalt in indigenen Gemeinschaften meist ganz besonders eng. Viele leben in Großfamilien zusammen. So fällt das Gebot der Kontaktvermeidung hier ganz besonders schwer. 

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Brasilien: Ein Land befindet sich im religiösen Wandel

Autorin: Özge Özden, Praktikantin im Referat für Indigene Völker

Bild: Steve Martinez via Flickr.

Erneut sorgt Brasiliens Staatspräsident Jair Messias Bolsonaro für Schlagzeilen weltweit: Er ernannte vor kurzem den Anthropologen und evangelikalen Missionar Ricardo Lopes Dias zum neuen Leiter für den Bereich „Unkontaktierte Völker“ in der Indigenen-Behörde Funai. Demzufolge sollen über 100 freiwillig abschieden lebende indigene Völker Brasiliens unter seinem Schutz stehen. Dias arbeitete von 1997 bis 2007 für die „New Tribes Mission“.

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Zunehmend radikaler Protest und sichtbarer Rassismus in Bolivien – der Andenstaat nach Morales‘ Rücktritt

Autorin: Regina Sonk, Referentin für Indigene Völker

Bild: Schockierende Worte auf den Straßen von Bolivien
“Es lebe Bolivien frei von Indios“

Es sind Bilder voller Gewalt an Demonstrierenden: Nach Ecuador und Chile jetzt auch in Bolivien. Überraschend war Boliviens Präsident Evo Morales am 11. November zurückgetreten und befand sich einen Tag später schon im politischen Exil in Mexiko. Viele seiner politischen Mitstreiter*innen folgten ihm. Von einem Militärputsch sprechen inzwischen nicht nur Morales-Anhänger. Diese Annahmen in den sozialen Medien finden sich nun auch in Medienaussagen wider. Demnach war der fingierte Wahlbetrug Aufhänger für die Opposition. Polizei und Militär stellten sich öffentlich gegen den Präsidenten und wecken so Erinnerungen an zahlreiche vergangene Militärputsche Südamerikas.

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Der Amazonas brennt – Indigene weiterhin in Gefahr!

Autor: Jonas Stünkel

Bild: Percursodacultura via Flickr

Der Regenwald steht in Flammen – dies ist ein jährlich wiederkehrendes natürliches Ereignis, doch dieses Jahr ist ein ganz besonderes mediales Interesse auf den brennenden Regenwald gerichtet, denn trotz zunehmender Klimaschutzmaßnahmen weltweit brennt dieses Jahr viel mehr Wald als in den Jahren zuvor. Was hat das für Folgen, wie kommt es überhaupt dazu und wer steht in der Verantwortung?

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Das Recht in Frieden zu leben

Autor: Fabian Brüning, ehem. Praktikant der GfbV, lebt derzeit in Chile

Foto: Guillermo Nuñey Herrera 2019

„El derecho de vivir en paz“ – „Das Recht in Frieden zu leben“. Der Song des während der Militärdiktatur ermordeten Victor Jara avanciert zur Hymne der sozialen Bewegung in Chile. Vorbeifahrende Autos und Orchester auf der Straße spielen ihn. Zu Beginn der Ausgangssperre beschallte er aus Lautsprechern die leergefegten Straßen. Bei den Protesten in Chile organisiert sich die Bevölkerung neu. Zugleich  kommt es weiter zu Plünderungen und Zerstörungen öffentlichen und privaten Eigentums, aber auch Menschenrechtsverletzungen werden tagtäglich durch Polizei und Militärs begangen. Am 28. Oktober soll die Armee endlich von den Straßen abgezogen werden. Eine überforderte Regierung versucht, erste Annäherungen an die Anliegen der Bevölkerung, aber das Vertrauen ist längst beschädigt, die Vorschläge gehen nicht weit genug. Der Wunsch nach einer neuen Verfassung wird lauter. Diese könnte auch die Rechte der indigenen Bevölkerung stärken. Ein Bericht über ein Land, das aufgewacht ist.

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„Wir sind im Krieg gegen einen sehr mächtigen Feind“

Autor: Fabian Brüning, ehem. Praktikant der GfbV, lebt derzeit in Chile

Um ihre Unzufriedenheit auszudrücken, werden bei den Cacerolazos als Protestform lautstark auf Haushaltsgegenstände geklopft. Foto: RL GNZLZ (CC-BY-SA 2.0)

In einem Interview im Fernsehen vom 8. Oktober bezeichnete Sebastián Piñera, amtierender Präsident Chiles, sein Land „als wahre Oase mit einer stabilen Demokratie inmitten eines erschütterten Lateinamerikas“.[1] Nicht einmal zwei Wochen später spricht er von einem „Krieg gegen einen sehr mächtigen Feind“ angesichts der seit letzter Woche Montag andauernden Proteste. Was ist passiert in dieser südamerikanischen „Oase“ und was steckt hinter den Protesten? Ein Bericht über ein Land im Umbruch:

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Chotas Traum

Zum World Humanitarian Day erinnern wir an Edwin Chota, der sein Leben geopfert hat für die Anerkennung der Landrechte seiner Asháninka-Gemeinde in Peru.

Foto: Tomás Muñita/International Rivers/Flickr

2009 haben die Vereinten Nationen zum ersten Mal den World Humanitarian Day eingeführt. Seitdem wird jedes Jahr am 19. August den Menschen gedacht, die ihr Leben dafür nutzen, sich für andere einzusetzen. So wie Edwin Chota, der sein Leben geopfert hat für die Anerkennung der Landrechte seiner Asháninka-Gemeinde in Peru.

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